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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

FASTENZEIT
4. WOCHE - FREITAG

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CHRISTUS IM KRANKEN UND IN DER KRANKHEIT ERKENNEN

Jesu Nähe zu den Kranken.
Die Krankheit als Teilhabe am Leiden Christi.
Das Sakrament der Krankensalbung.

I. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle1

Am Abend, als die Sonne untergegangen war ... Wahrscheinlich meint der Evangelist den Abend des Sabbats. Mit dem Sonnenuntergang beginnt der neue Tag und hört die Sabbatruhe auf. Die Leute beeilen sich, ihre Kranken zu Jesus zu bringen: Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, heißt es bei Markus.

Der Evangelist Lukas versäumt es nicht, auf die ganz konkrete Art hinzuweisen, wie Jesus sich jedem einzelnen zuwendet: Er legte jedem Kranken die Hände auf. Jeder einzelne Mensch ist dem Herrn wichtig. Aber sein mitfühlendes und erbarmendes Herz ist jenen besonders nahe, die leiden.

Betrachten wir, wie Jesus durch die Städte und Dörfer zog. Was wollte er? Er verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden; und als die Menschen sahen, daß Stumme plötzlich redeten, Krüppel gesund wurden, Lahme gehen und Blinde sehen konnten, waren sie erstaunt und priesen den Gott Israels5

»Bei seinem messianischen Wirken in Israel hat Christus sich fortwährend dem menschlichen Leiden zugewandt. >Er zog umher und tat Gutes< ( 10,38), das betraf in erster Linie die Leidenden und solche, die auf Hilfe warteten. Er heilte die Kranken, tröstete die Trauernden, speiste die Hungernden, befreite die Menschen vom bösen Geist, von Taubheit und Blindheit, vom Aussatz und von anderen körperlichen Gebrechen; dreimal gab er Toten das Leben zurück. Jedes menschliche Leiden, das des Leibes wie das der Seele, berührte ihn. Dabei lehrte er zur gleichen Zeit, und im Mittelpunkt seiner Unterweisung stehen die acht Seligpreisungen, die sich an die Menschen richten, welche im irdischen Leben von verschiedenen Leiden heimgesucht werden.«6

Treue in der Nachfolge des Herrn schließt die Nähe zu den Kranken ein. Der Umgang mit ihnen kann in uns Ehrfurcht, Zuwendung, Barmherzigkeit wecken. Sie besuchen und ihnen unsere Zeit schenken, unsere Anteilnahme durch kleine Gefälligkeiten bekräftigen, dafür sorgen, daß sie die Sakramente empfangen können - das alles ist die konkrete Art und Weise, wie wir im Kranken Christus begegnen. »Kind. - Kranker. - Seid ihr nicht versucht, diese Worte ganz in großen Buchstaben zu schreiben? Für einen in ihn verliebten Menschen sind die Kinder und die Kranken wirklich er.«7

Manchmal erfahren wir die Krankheit am eigenen Leib, manchmal bei Menschen, die uns nahestehen, oder bei Fremden, mit denen wir in Berührung kommen. Jedesmal können wir - im Licht des Glaubens - erfahren, was es heißt, uns eines Schatzes anzunehmen, mit dem Gott uns unerwartet konfrontiert. Der Umgang mit den Kranken und Leidenden läßt in uns das Wort des Herrn nachklingen: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan8

II. Eine Krankheit, aus Liebe zu Gott ertragen, heiligt uns und kommt dem Apostolat zugute, denn sie läßt uns am erlösenden Kreuz Christi teilhaben.

Der körperliche Schmerz kann das Mittel sein, dessen Gott sich bedient, um Schuld und Unvollkommenheiten zu läutern. Er vereint uns mit dem leidenden Christus und gibt uns Gelegenheit, bewußter bestimmte Tugenden zu üben. Doch Kranksein will gelernt werden. Zuallererst geht es um die Annahme der Krankheit: mit Würde, ohne Stöhnen und Tragik,  ohne Trotz. »Es kann geschehen, daß wir während der Krankheit unseren Mitmenschen auf die Nerven gehen: >Ich werde nicht richtig versorgt, keiner kümmert sich um mich, ich verdiene eine bessere Behandlung, keiner versteht mich ...< Der Teufel ist immer auf der Lauer und greift uns von den verschiedensten Seiten an. Seine Taktik während der Krankheit besteht darin, daß er in uns eine Art Psychose auslösen möchte, damit wir uns von Gott abwenden, unsere Umgebung vergiften und den Schatz der Verdienste zunichte machen, den sich, zum Wohl aller Seelen, derjenige erwirbt, der den Schmerz mit übernatürlichem Optimismus - mit Liebe - trägt. Geraten wir nach dem Willen Gottes in die Netze der Drangsal, dann seht darin ein Zeichen, daß er uns für reif genug hält, damit wir uns noch enger seinem erlösenden Kreuz verbinden.«9

Paulus sagt in seinem Brief an die Kolosser, daß er in seinem irdischen Leben ergänzt, was an den Leiden Christi noch fehlt. Johannes Paul II. erläutert diese Worte folgendermaßen: »Das Leiden Christi hat das Gut der Erlösung der Welt erwirkt. Dieses Gut ist in sich unerschöpflich und grenzenlos. Kein Mensch vermag ihm etwas hinzuzufügen. Zugleich jedoch hat Christus im Geheimnis der Kirche als seines Leibes gewissermaßen sein Erlöserleiden jedem anderen Leiden des Menschen geöffnet. Insofern der Mensch - an jedem Ort der Welt und in jeder Zeit der Geschichte - an den Leiden Christi teilhat, ergänzt er auf seine Weise jenes Leiden, durch das Christus die Erlösung der Welt vollbracht hat hat«11.

Vor allem in der Krankheit müssen wir Christi Nähe suchen. Je größer das Leiden, um so stärker muß die Liebe sein, und Gott wird uns dazu die nötige Gnade schenken. Unter dem Kreuz Christi werden wir zu Miterlösern und erfahren dabei die läuternde Kraft seines Leidens: »In dem Erlöserleiden, durch das sich die Erlösung der Welt vollzog, hat sich Christus von Anfang an jedem menschlichen Leiden geöffnet und öffnet sich ihm noch ständig. Ja, es scheint zum Wesen selbst des erlösenden Leidens Christi zu gehören, daß es fortwährend ergänzt werden will.«12

III. Er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen. (...) Die Zwölf machten sich auf den Weg und wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall die Kranken Die Apostelgeschichte und die Apostelbriefe bezeugen die Sorge der ersten Christen um ihre Kranken. In der Krankensalbung nimmt diese Zuwendung die sichtbare Gestalt des Sakramentes an: »Bei Markus ( 6,13) ist sie angedeutet und durch den Apostel Jakobus, den Bruder des Herrn, den Gläubigen empfohlen und verkündet worden. Er sagt: Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich: Sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet aus dem Glauben wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben ( 5, 14f.) .«14 Dieses Sakrament »gewährt dem Kranken die Gnade des Heiligen Geistes, durch die der ganze Mensch Hilfe zum Heil erfährt: Er wird gestützt im Vertrauen auf Gott und gestärkt gegenüber den Versuchungen des Bösen und der Angst vor dem Tod. So wird er instand gesetzt, das Übel der Krankheit tapfer zu ertragen, ja sogar dagegen anzukämpfen und die Gesundheit wiederzuerlangen, wenn dies seinem geistlichen Heil dienlich ist.«15

Es ist angebracht, dieses Sakrament mit einer vorherigen Beichte zu verbinden. Falls jedoch der Empfang der Beichte unmöglich ist (etwa bei Bewußtlosigkeit nach einem Unfall), vermag die Krankensalbung auch allein die schweren Sünden zu tilgen, wenn der Kranke sie vorher bereut hatte.

Ebenso stärkt die Krankensalbung die Seele gegen Versuchungen in der schweren Not. Der Kranke wird auf die endgültige Begegnung mit Gott, dem Vater und Schöpfer, vorbereitet. Dies vermag die Ergebenheit in den göttlichen Willen und dadurch den inneren Frieden zu stärken. Christus, der Bezwinger der Sünde, bezwingt auch deren Folge, die Krankheit. Die Krankensalbung kann deshalb »als eine Art Weihesakrament der christlichen Lebensvollendung gedeutet«16 werden.

Die Kirche empfiehlt daher, daß Schwerkranke und alte Menschen dieses Sakrament rechtzeitig empfangen. Seine Spendung aus falscher menschlicher Rücksicht hinauszuschieben ist für den Kranken keine Hilfe, es ist nur Feigheit der ihm Nahestehenden. Wie bedauerlich, wenn dadurch jemand in der entscheidenden Stunde seines Lebens dieser Hilfe verlustig ginge. Die Kranken für die Krankensalbung empfänglich zu machen ist Zeichen aufrichtiger, starker Liebe, manchmal auch ein Gebot der Gerechtigkeit.

Die Fastenzeit führt uns hin zu dem entscheidenden Augenblick, in welchem Leid und Schmerz unseres Herrn sich in seinem Tod vollenden. Er trägt unser Leiden - auch unser Todesleiden. Er ist uns - gerade jetzt - besonders nahe. Und ebenso nahe ist uns seine heilige Mutter. »Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.«

4,40. - 1,32. - 1,33. - 9,35. - 15,31. - Johannes Paul II., Apost. Schreiben Salvifici doloris, 11.11.1984, 16. - J. Escrivá, , Nr. 419. - 25,40. - J. Escrivá, Freunde Gottes, 124. - vgl. 1,24. - Johannes Paul II., Apost. Schreiben Salvifici doloris, 11.11.1984, 24. - ebd. - 9,2.6. - Konzil von Trient, 1695, 1716. - Die Feier der Krankensakramente, Pastorale Einführung Nr. 6. - ebd., Einführungswort S.22.

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